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Kryo­konservierung Sperma

Einfrieren und Lagern von Samenproben

Die männliche Zeugungsfähigkeit / Fruchtbarkeit kann durch verschiedene Behandlungen schwerer Erkrankungen dauerhaft eingeschränkt werden. Es ist deshalb in manchen Fällen wichtig, Vorsorge zu treffen, damit sich ein späterer Kinderwunsch dennoch realisieren läßt. Das Einfrieren (Kryokonservierung) einer Samenprobe vor geplanter Behandlung sichert die Möglichkeit, einen späteren Kinderwunsch zu erfüllen. Männer und auch Jugendliche ab dem Zeitpunkt der Ejakulationsfähigkeit können und sollten diese Möglichkeit nutzen. Auch Hodengewebe kann dauerhaft eingefroren werden (TESE). Mit den Spermien aus dem Gewebe kann später eine Kinderwunschbehandlung durchgeführt werden, falls sich im Ejakulat keine Spermien nachweisen lassen.

Informationen zur Kryokonservierung

Was bedeutet Kryokonservierung?
Bei dem Verfahren werden Spermienproben in einem Depot mit flüssigem Stickstoff bei -196 °C eingelagert. Die Lagerung erfolgt unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Die Unverwechselbarkeit der Proben ist gewährleistet.

Wie lange können Spermien eingefroren bleiben?
Durch die Lagerung bleiben die Proben nahezu unbegrenzt haltbar. Untersuchungen haben gezeigt, dass Lagerungszeiten von bis zu 30 Jahren keinen Einfluss auf die Qualität der Spermien haben.

Bestehen genetische Risiken, mit eingefrorenen Spermien ein Kind zu zeugen?
Bisher ergaben sich keine Hinweise, dass durch die Verwendung der kryokonservierten Spermien ein erhöhtes genetisches Risiko besteht, ein behindertes Kind zu bekommen. Die Risiken sind vergleichbar mit denen der natürlichen Zeugung.

Was kostet die Kryokonservierung von Spermien bzw. Hodengewebe?
Leider werden die Kosten der Kryokonservierung von den Krankenkassen in der Regel nicht erstattet. Sie müssen für die notwendigen Voruntersuchungen und für die Durchführung der Kryokonservierung mit einmaligen Kosten von ca. 300-500€ rechnen. Die Lagerungskosten betragen bei uns 22,50€ pro Monat.

Wie läuft die Kryokonservierung praktisch ab?
Sie erhalten in der Regel einen Termin innerhalb weniger Tage. Zunächst wird eine Infektionsserologie (Blutabnahme) durchgeführt. Für die dann folgende Kryokonservierung des Ejakulates müssen Sie eine Samenprobe abgeben. Geeignete Räumlichkeiten zur Gewinnung der Probe sind bei uns vorhanden, Sie können die Probe auch von Zuhause aus mitbringen, benötigen dann aber einen speziellen Probenbecher. Die Samenprobe wird auf ihre Qualität untersucht, mit einem Gefrierschutzstoff versehen und eingefroren. Für den Fall, dass keine Spermien im Ejakulat vorhanden sind, besteht die Möglichkeit der Gewinnung von Gewebe direkt aus dem Hoden (TESE) im Rahmen einer kleinen ambulanten Operation, welche ebenfalls in unserem Zentrum durchgeführt wird. Direkt nach der Operation wird das Gewebe auf Spermien untersucht und kryokonserviert.

 

Erkrankungen und Behandlungen, welche die Fruchtbarkeit dauerhaft beeinträchtigen können:

Chemotherapie und Strahlentherapie

  • bei nahezu allen Tumorerkrankungen (z. B. Leukämie, M. Hodgkin, Osteosarkom, Hodentumor etc.)

 

Immunsuppression bei Autoimmunerkrankungen

  • z. B. Rheuma
  • entzündliche Darmerkrankungen
  • schwere Hauterkrankungen
  • multiple Sklerose

 

Immunsuppression nach Transplantationen

  • z.B. von Organen, Knochenmark, Stammzellen

 

operative Eingriffe

  • z. B. Hodenentfernung bei bösartigen Erkrankungen oder Lymphknotenentfernung im hinteren Bauchraum (retroperitoneal) mit der Gefahr einer späteren retrograden Ejakulation
  • Operationen im kleinen Becken (z.B. radikale Prostataentfernung, Blasenentfernung, Enddarm- und Dickdarmoperationen, Operationen an der Aorta)

 

Zustand nach Sterilisation

  • Vasoresektion, Vasektomie

 

Verschlußerkrankungen der Samenwege

  • Congenitale bilaterale Aplasie des Vas deferens (CBAVD), z.B. bei Anlage für Cystische Fibrose (CFTR-Mutation)


Die Kryokonservierung von Samenproben ist in eiligen Fällen bei uns sehr kurzfristig möglich (meist innderhalb von einem Tag). Ein ausführliches ärztliches Beratungsgespräch muss dann aber nach der Kryokonservierung (und meist auch nach der zunächst anstehenden Primärtherapie) erfolgen. In jedem Fall erfahren Sie unmittelbar nach dem Kryo-Vorgang, ob genug Spermien für eine eventuell später notwendige Kinderwunschtherapie gewonnen werden konnten.